Gehört bei detektor.fm: (4) Ohne Anwalt geht´s auch

Das Internetradio detektor.fm hat in 2016 mehrmals mit seinen “Haus-Mediatoren” Dominik Wahlig und Sascha Weigel zusammengesessen und sich über Themen der Mediation unterhalten.

Da diese Beiträge nicht länger als zehn Minuten sind und sehr verständlich das jeweilige Thema beleuchten, möchte ich sie in einer kleinen Reihe vorstellen.*

Mediation als Alternative zum Anwalt

Ist die Mediation die billigere Lösungshilfe?

In dieser Folge geht es um die Kostenfrage. Gibt es Unterschiede zwischen der Berufsgruppe der Anwälte und der Berufsgruppe der Mediatoren? Entstehen vergleichbare Kosten bei der Lösung von Konflikten?

Dahinter steckt natürlich der Gedanke, ob es eine „günstigere“ Möglichkeit gibt, Konflikte zu lösen. Nach dem Motto: Sind Mediatorinnen und Mediatoren die billigeren Arbeitskräfte?

Sascha Weigel antwortet darauf, dass es sich theoretisch ähneln sollte, sich in der Praxis aber der Eindruck etabliert habe, dass Mediationen auch zu preiswerteren Honoraren angeboten werden.

Vielfalt der Tätigkeitsfelder verhindert einheitliche Preisgestaltung

Der Mediationsmarkt hat sich teilweise so entwickelt, dass es unterschiedliche Preismodelle gibt. Dies kommt zum einen davon, dass im Bereich der Anwaltskosten gesetzlich die Gebührenordnung gilt und der Eindruck besteht, dass anwaltliche Leistungen einfach teuer sind.

Im Bereich der Mediation kommt erschwerend hinzu, dass es eine Vielzahl von Tätigkeitsfeldern gibt, in denen Mediation angeboten wird, z.B. Schulmediation, Familienmediation, Mediationen im privaten Bereich sowie im beruflichen Umfeld.

Somit erklären sich auch die verschiedenen Preismodelle, die in dem einem Tätigkeitsfeld angemessen sind und in dem anderen eher unangemessen. Die Bandbreite von ehrenamtlichen Mediationen und Mediationen im Unternehmensbereich sind nunmal sehr groß.

Dominik Wahlig sieht bei beruflichen Konfliktfällen die Orientierung an den Anwaltsgebühren als sinnvoll an und spricht bei Stundensätzen von 150 € bis 250 € von „reellen Sätzen“.

Wer zahlt denn dann die Mediation?

Im Normalfall tragen die beiden Konfliktparteien jeweils die Hälfte der anfallenden Kosten. Damit wird auch ein wichtiger Gedanke der Mediation deutlich: Beide Konfliktparteien beteiligen sich schon hierbei gleichberechtigt um eine Lösung des Konflikts.
Der Verdacht “Wer zahlt, bestimmt” wird dabei zudem vermieden, die allparteiliche Position der Mediatoren wird gestärkt.

Ausnahmen bei der Bezahlung sind Rechtsschutzversicherungen, die in einigen Fällen die Kosten komplett übernehmen.

Welche weiteren Kosten können auftauchen?

Neben dem Honorar, dass den größten Kosten-Posten (Danke an Dominik Wahlig für diesen schön klingenden Begriff!) ausmacht, gibt es weitere Posten, die im Rahmen einer Mediation zu berücksichtigen sein könnten:

  • Miete von neutralen Räumen (z.B. Tagungsräumen)
  • Fahrtkosten,
  • Spesen,
  • Moderationsmaterial.

Wo liegen Grenzen für eine Mediation?

Neben den Möglickeiten, die eine Mediation bietet, ist es auch wichtig, die Grenzen zu kennen, bei denen es nicht sinnvoll ist eine Mediation durchzuführen. Dies könnten zum Beispiel strafrechtliche Handlungen sein, die in der Mediation auftauchen, aber nicht innerhalb einer Mediation geklärt werden können. Oder auch psychische Erkrankungen, bei denen sich ein/e oder beide Mediant/in nicht selber gut vertreten können.

Woran kann ich gute Mediatorinnen und Mediatoren erkennen?

Hat man sich für eine Mediation entschieden, geht es darum, eine/n geeignete Mediator/in auszuwählen. Dominik Wahlig und Sascha Weigel nennen ein paar grundlegende Kriterien, auf die man achten kann:

  • Ist die Preisgestaltung angemessen (Pro Bono oder kostendeckende Preisgestaltung)?
  • Welche Ausbildung wurde absolviert?
  • Ist der erste Kontakt „professionell“?
  • Setzt die/der Mediator/in die Aufgabe zur strukturierten Arbeitsweise auch um?

Zu den anderen Teilen dieser Blogreihe:

Hier geht es zu Teil 1 – Eine Alternative zum Gerichtsprozess
Hier geht es zu Teil 2 – Der Dritte im Konflikt – Mediator, Richter und Schlichter
Hier geht es zu Teil 3 – Die innere Kündigung ist teuer
Hier geht es zu Teil 5 – Letzte Rettung Mediator?
Hier geht es zu Teil 6 – Ein Qualitätsiegel für Streitschlichter
Hier geht es zu Teil 7 – Raus mit der Sprache
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* Natürlich kann man sich die Beiträge auch einfach direkt bei detektor.fm anhören.

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